«Die sauberste Energie kommt von der Sonne. Heute und in der Zukunft.»

Roland Hofmann, TRITEC Schweiz, Aarberg

«Einheimische erneuerbare Energien sind CO2-neutral und der konventionellen Energie aus Öl, Gas oder Uran überlegen.»

Josef Jenni, Jenni Energietechnik AG, Oberburg bei Burgdorf

«Meine Solardächer produzieren Strom für 200 Haushaltungen - sauber und unabhängig.»

Walter E. Bettschen, Sägewerk Bettschen AG, Reichenbach

Alle sprechen von Hitze, niemand von Wärme

ERFOLG, Kolumne von Stefan Batzli, Geschäftsführer AEE SUISSE

Es war ein weiterer Sommer wie wir ihn so schnell nicht vergessen werden. In der Kaffeepause, beim Small Talk im Lift oder am Grillabend: Die Hitzewelle war das Gesprächsthema. Obwohl Hitzerekorde von 40 Grad und mehr, wie sie in 2003 auftraten, ausblieben, scheint sich der Sommer 2018 in die Top 3 der heissesten Sommer seit Messbeginn 1864 einzureihen. Neben der Hitze gab aber vor allem auch die lange Trockenperiode zu diskutieren. Der ausbleibende Niederschlag führt zu ernsthaften Ernteausfällen in der Landwirtschaft. Die Diskussion um die Ursache der Klima-Kapriolen lässt dementsprechend nicht lange auf sich warten. Der Klimawandel findet statt und seine negativen Auswirkungen machen sich zunehmend bemerkbar. Das ist eine Tatsache, die inzwischen den meisten Menschen bewusst ist. Beim Handlungsbedarf hingegen, da scheiden sich die Geister immer noch. Sobald die Temperaturen sinken, die Medienberichterstattung zu diesem Thema wieder abnimmt und wir in der gemütlich geheizten Wohnung sitzen, gehen die Klimaprobleme gerne wieder vergessen.

Den Hebel am richtigen Ort ansetzen
Mit dem Ja zur Energiestrategie 2050 hat die Schweiz einen wichtigen Schritt gegen den Klimawandel und in Richtung erneuerbare Energiezukunft gemacht. Wer aber meint, damit sei die Arbeit gemacht, irrt gewaltig. Der Fokus der gesamten energiepolitischen Debatte rund um die neue Energiestrategie lag in erster Linie auf der Produktion, Verteilung und Verwendung von Strom. Ein Blick auf den gesamten Endenergieverbrauch der Schweiz zeigt aber, dass dieser Fokus definitiv zu kurz greift. Mehr als 50 Prozent unseres Endenergieverbrauchs wird nämlich für die Produktion von Wärme aufgewendet, 80 Prozent davon werden fossil und damit klimaschädlich bereitgestellt. Ein Grossteil davon entfällt auf den Gebäudepark der Schweiz. Das Bundesamt für Energie geht von ungefähr 1'800'000 beheizten Gebäuden aus, die im Jahr rund 100 TWh Energie verbrauchen. Deren Heizung nimmt etwas mehr als einen Drittel des Schweizerischen Endenergieverbrauchs ein, der restliche Anteil der 50 Prozent Wärme verteilen sich auf die Warmwasseraufbereitung und die Prozesswärme.

Die Wirtschaft ist bereit
Die Verbrauchszahlen zeigen es deutlich: Der energiepolitische Fokus müsste eigentlich auf der Wärme (und der Mobilität – darüber später einmal mehr in einer nachfolgenden Ausgabe dieser Publikation) liegen. Noch deutlicher wird dies, wenn die Anteile der erneuerbaren Energien an der Wärmeerzeugung in Betracht gezogen werden. Nur rund 20 Prozent der Wärmeproduktion der Schweiz stammt aus erneuerbaren Quellen. Der Rest entfällt auf fossile Energieträger. Zur Beheizung des Schweizer Gebäudeparks trägt Heizöl rund 50 Prozent bei, gefolgt von Erdgas mit einem Anteil von 25%.
Die aktuelle Situation bedeutet Handlungsbedarf für die Politik und gleichzeitig Chance für die Wirtschaft. Denn die Technologien für erneuerbare Wärme müssen nicht erst erfunden werden, sie sind heute schon verfügbar. Dank Fernwärme, Solarwärme, Geothermie und Holzheizungen, gepaart mit Effizienzmassnahmen bei Gebäudehülle und Gebäudetechnik ist die Wirtschaft bereit für die erneuerbare Wärmezukunft der Schweiz. Nachziehen muss vor allem die Politik, die sich damit wahnsinnig schwertut.

Selbstgemachte Probleme
Chancen für Fortschritte bieten sich der Politik momentan mit der Umsetzung der MuKEn in den einzelnen Kantonen oder dem CO2-Gesetz, aktuell in der Umweltkommission des Parlaments. Aus Sicht der erneuerbaren Wärmewirtschaft liegen die Hürden aber nicht nur beim fehlenden politischen Willen. Wärmerelevante Kompetenzen sind im föderalistischen System auf allen Ebenen angesiedelt. Während beispielsweise der Bund über Abgaben entscheidet, liegt die Kompetenz im Gebäudebereich bei den Kantonen und die Energierichtplanung bei den Gemeinden. Ein kritisches Hinterfragen dieses föderalistischen Potpourris im Sinne einer schweizweiten Harmonisierung von Zuständigkeiten muss die Lösung sein.

Wie die erneuerbare Wärmezukunft und die notwendigen Rahmenbedingungen aussehen könnten, zeigt wie so oft ein Blick über die Grenze. Dänemark beispielsweise gilt als Vorreiter in Sachen Wärmenetze und deckt heute 40 Prozent seines Wärmebedarfs mit erneuerbaren Energien. Ausschlaggebend dafür sind gesetzliche Vorgaben zur Wärmeplanung auf Kommunal- und Regionalebene. Deutschland kennt seit 2009 ein Wärmegesetz (Erneuerbare-Energien-Wärmegesetz) und in Österreich sind ebenfalls Bestrebungen in diese Richtung im Gange. Vorbilder sind vorhanden, die technischen Lösungen liegen auf dem Tisch und die Wirtschaft ist bereit zur Umsetzung. Damit es jetzt vorwärts geht, hat die AEE SUISSE mit zahlreiche Branchenverbänden und ebenso vielen Unternehmen die Wärme Initiative Schweiz (WIS) ins Leben gerufen. Die Allianz aus Vertretern des Wärme-, Kälte- und Gebäudesektors arbeitet aktiv daran, die erneuerbare Wärmezukunft der Schweiz zu gestalten, damit in Zukunft die Diskussion um Wärme und Klima nicht nur in den Sommermonaten geführt wird und damit die Umstellung auf eine klimaschonende Wärmeversorgung auch in der Schweiz rasch vorankommt.

Über die Wärmeinitiative Schweiz
Die Wärme Initiative Schweiz ist eine Wirtschaftsallianz aus dem Wärme- Kälte- und Gebäudesektor. Sie verfolgt die Vision, dass bis 2050 die Energie für die Bereitstellung von Wärme und Kälte in Haushalten, Betrieben, öffentlichen Gebäuden sowie der Industrie zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energien sowie Abwärme stammt und CO2-neutral umgewandelt wird. www.waermeinitiative.ch

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